Die vier Projektteams vom Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig, der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg, der Universität Hildesheim und der Technischen Universität Chemnitz berichten in diesem Projekttagebuch von ihrer Forschung in ländlichen Regionen der vier Bundesländer Bayern, Hessen, Niedersachsen sowie Sachsen und geben hier Einblicke in ihre laufende Projektarbeit.

++14.08.2019++ Integration und Teilhabe als Querschnittsthema ländlicher Entwicklung

Am 14. August besuchte das TUC Team das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz in Dresden. Eingeladen hatte der Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration, um erste Ergebnisse unserer Forschungen in den sächsischen Untersuchungsgebieten zu diskutieren. Im Mittelpunkt unserer Präsentation stand das Konzept der Rezeptivität, also der Offenheit gegenüber neuen Mitbürger*innen, und wie diese herzustellen ist. In einer ersten Sichtung unserer Daten aus Experteninterviews, Interviews mit Geflüchteten sowie aus unserer Repräsentativerhebung konnten wir markante Befunde in Bezug auf ländliche Gemeinden im Allgemeinen und den sächsischen Untersuchungskontext im Besonderen herausarbeiten und Interpretationsangebote zur Diskussion stellen. Im Anschluss an unseren Vortrag diskutierten die ca. 20 Anwesenden sehr intensiv und gaben uns zudem Anregungen für weitere Feinanalysen des Datenmaterials. So wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob auch Potenziale nachbarschaftlichen Engagements aufseiten der Geflüchteten zu beobachten sind. Zudem wurde angeregt, in den Auswertungen Zielgruppen von Geflüchteten zu identifizieren, für die jeweils spezifische Angebote der Teilhabe sinnvoll sind. Großen Anklang fand insbesondere die intensive Kontextualisierung der Projektergebnisse hinsichtlich der Spezifik ländlicher Räume. Von den weiteren Analysen erhofft man sich daher konkrete Erkenntnisse und Empfehlungen, wie sich Integration und Teilhabe mit anderen Themen ausbalancieren lassen, die für die Entwicklung ländlicher Räume nötig und wichtig sind

++29.07.2019++ Vielfalt der kommunalen Integrations-angebote im Landkreis Vechta beeindruckt

Das Haus der Begegnung in Neuenkirchen-Vörden - ein Beispiel der vielfältigen kommunalen Integrationsangebote im Landkreis Vechta (© Diana Meschter)

Zwischen Mai und Juli 2019 wurden zahlreiche Interviews in den Untersuchungskommunen Dinklage, Holdorf, Goldenstedt, Neuenkirchen-Vörden und in der Landkreisverwaltung geführt. Befragt wurden Geflüchtete, Bürgermeister, Integrationsbeauftragte, Flüchtlingssozialarbeiter*innen, Schulsozialarbeiter, Verwaltungsmitarbeitende, Mitarbeiter*innen von Mehrgenerationenhäusern, Vereinen sowie der Wohlfahrtsvereinen.

Besonders beeindruckend waren die Vielfalt der kommunalen Integrationsangebote und die vielen engagierten haupt- und ehrenamtlichen Personen, durch die auch in kleinen Kommunen die Integration vor Ort ein Gesicht bekommt. Das Foto zeigt ein Beispiel dieser vielfältigen Aktivitäten: "Das Haus der Begegnung" in Neuenkirchen-Vörden. Im Haus der Begegnung finden regelmäßig Deutschkurse statt, werden Aktivitäten wie Nähcafé, Fahrradwerkstatt oder Computerkurse angeboten oder ist Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen.

++ 15.07.2019 ++ Projektteam auf IMISCOE Konferenz in Malmö vertreten

Hanne Schneider, Miriam Bürer, Birgit Glorius, Tobias Weidinger, Hannes Schamann und Stefan Kordel während des Tagungsdinners in Malmö’s ehemaligem Schlachthof „Malmö Slagthuset“, der inzwischen als Veranstaltungszentrum genutzt wird. (© )

Mitglieder des Projektkonsortiums aus Chemnitz, Hildesheim und Erlangen-Nürnberg trafen sich vom 26. bis 28. Juni in Malmö anlässlich der jährlichen Konferenz des Europäischen Forschungsnetzwerks IMISCOE (International Migration, Integration and Social Cohesion in Europe). Die Jahreskonferenz ist eine der größten Konferenzen der Migrations- und Integrationsforschung in Europa und bietet beste Möglichkeit zur Vernetzung und fundierten Diskussion von Forschungsergebnissen.

Da die Konferenz dieses Jahr unter dem Schwerpunkt „Understanding International Migration in the 21st Century: Conceptual and Methodological Approaches“ stattfand, boten sich gute Möglichkeiten, die konzeptionellen und methodischen Ansätze des Verbundprojekts zu präsentieren.

Dies taten u.a. Hanne Schneider, Miriam Bürer und Birgit Glorius (TU Chemnitz) mit einem Vortrag zum Konzept der Rezeptivität als neuer Ansatz zum Verständnis der Integration von Geflüchteten in ländlichen Räumen und Tobias Weidinger, Stefan Kordel und Silke Hachmeister (FAU Erlangen-Nürnberg) mit einem Vortrag zu Mechanismen der Exklusion von Geflüchteten in ländlichen Räumen in Deutschland. Hannes Schamann und Sandra Müller (Uni Hildesheim) stellten gemeinsam mit Petra Bendel und Andrea Wegler (FAU Erlangen-Nürnberg) Projektergebnisse aus einem „benachbarten“ Forschungsprojekt vor, in dem institutioneller Wandel von lokaler Integrationspolitik in 100 Städten Deutschlands erforscht wird.

Eine Vielzahl von Fachsitzungen unter dem Label „Refugees in European Localities“ zeigten die wachsende Bedeutung der lokalen Forschungsperspektive als Ergebnis des „local turn“ in der Migrations- und Integrationsforschung. Dabei dominieren jedoch weiterhin urbane Forschungskontexte, so dass unser Projekt mit seinen Teilergebnisse stets auf große Aufmerksamkeit innerhalb der wissenschaftlichen Community stößt.

++21.06.2019 ++ Witajce k nam? Unterwegs in der kulturhistorischen Oberlausitz im Landkreis Bautzen

 

Das Team der TU Chemnitz führte in den vergangenen Wochen zahlreiche Interviews mit Geflüchteten im Landkreis Bautzen. In was für einer Gegend sind unsere Gesprächspartner*innen angekommen?

Als eine der wenigen Regionen in Deutschland, geht es in der Oberlausitz mehrsprachig zu: Sorbisch ist in vielen Gemeinden des Landkreises zweite Amtssprache, denn es leben insgesamt noch etwa 60.000 Sorb*innen im Landkreis Bautzen, Görlitz sowie in Brandenburg. Zahlreiche Vereine und Institute (z.B. das Sorbische Institut) pflegen den Erhalt der slawischen Sprache und sorbischen Kultur.Auch sonst gibt es in der Region viel Kulturelles zu entdecken: zahlreiche Wegkreuze als Zeichen des katholischen Glaubens oder auch die traditionellen Umgebindehäuser, die nur in wenigen Regionen Deutschlands und Tschechiens vorkommen. Oder aber die Kreisstadt Bautzen mit ihren zahlreichen deutsch-sorbischen Kultureinrichtungen und der mittelalterlichen Altstadt.

Ob dies auch Einfluss auf das Leben der Geflüchteten hat, wird die Auswertung der Interviews zeigen. Sicherlich begegnen aber auch ihnen Alltag zahlreiche Hinweise auf die Besonderheiten der Region: etwa beim Jobcenter, das auch „jobowy center“ [Sorbisch] heißt (siehe Bilder).

 

 

++22.05.2019++ Befragungen im Landkreis Vechta gestartet

Wir haben mit der Erhebungsphase im Landkreis Vechta begonnen. Der Landkreis Vechta ist der zweite Untersuchungslandkreis in Niedersachsen. Auch hier wollen wir mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft sowie mit Geflüchtete ins Gespräch kommen. Konkret besuchen wir Dinklage, Goldenstedt, Holdorf und Neuenkirchen-Vörden.

Wir freuen uns auf interessante Gespräche und Begegnungen.

++02.05.2019++ Viele Briefe, viele Meinungen: Bürger*innenbefragung beendet

Kiste mit Befragungspost
Die ausgefüllten Fragebögen füllen mehrere Kisten. (© Birgit Glorius)

Die Bürger*innenbefragung zum Zusammenleben in ländlichen Regionen ist seit Ende April 2018 beendet. Das Team der TU Chemnitz freut sich über die mehreren hundert Rücksendungen – postalisch und auch in der Online-Befragung. Die Kisten sind gut gefüllt und warten nun darauf, von unserem Team sortiert, gesichtet, digitalisiert und ausgewertet zu werden. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

Herzlichen Dank an alle Befragten, die sich die Zeit genommen haben, unseren Fragebogen auszufüllen und ihre Eindrücke mit uns teilen.

++10.04.2019++ Bürger*innenbefragung im vollen Gange

Diese Erinnerungspostkarte wird an die befragten Haushalte versendet. (© TU Chemnitz (Bild: Jana Beinhorn; Grafik: Melanie Kintz))

Unsere Bürger*innenbefragung in acht Landkreisen läuft nun seit rund zwei Wochen. Um noch viele weitere Zusendungen von ausgefüllten Fragebögen zu erhalten, hat das Team der TU Chemnitz eine Erinnerungspostkarte an alle Befragten gesendet. Wir freuen uns auf viele weitere Briefe, bedanken uns für bisherige Einsendungen und sind gespannt auf die Ergebnisse.

++25.03.2019++ Bürger*innenbefragung startet in allen acht Landkreisen

Diese Briefe erhalten alle zufällig ausgewählten Bürger*innen. (© Hanne Schneider)

Es ist soweit: In dieser Woche erhalten 4000 zufällig ausgewählte Personen in 40 Gemeinden in unseren acht Untersuchungslandkreisen Post. Der Fragebogen thematisiert das gesellschaftliche Zusammenleben, unter anderem mit Geflüchteten aber auch in der Nachbarschaft. Das Team der TU Chemnitz wartet gespannt auf die Rückläufe der ausgefüllten Bögen, um diese Forschungslücke zu schließen. Die Befragten können entweder postalisch antworten oder eine Online-Umfrage nutzen.

++21.03.2019++ Viele Angebote zum Austausch im Landkreis Northeim

Das Internationale Café in Bad Gandersheim und das Café Dialog in Moringen sind zwei Beispiele, wo man mit Geflüchteten und haupt- und ehrenamtlich Engagierten im Landkreis Northeim in netter Atmosphäre und bei einer Tasse Kaffee oder Tee ins Gespräch kommen kann. Für das Projektteam des Thünen-Instituts sind diese Orte wichtige Anlaufpunkte, um erste Informationen für das Forschungsprojekt zu erfahren und potenzielle Interviewpartner zu kontaktieren.

Wir bedanken uns auf diesem Wege für die erfahrene Gastfreundschaft.

++07.03.2019++ Gespräche mit Expert*innen im Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim

Für eine weitere Interviewrunde mit Expert*innen besuchten die Erlanger Forscher den Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim. Dr. Stefan Kordel und Tobias Weidinger konnten erneut mit zahlreichen Lokalpolitiker*innen sowie Verwaltungs- und Gestaltungsmitarbeiter*innen über die Aufnahme und Integration von Geflüchteten im Landkreis sprechen. Besonders interessant waren vielfältige Einblicke in die Praxis einer nachhaltigen Integration in den regionalen Arbeitsmarkt, die angesichts des boomenden Arbeitsmarktes in der Region von zahlreichen Akteur*innen als wichtiges Handlungsfeld bewertet wird.

Daneben konnten im Rahmen eines Treffens mit Mitarbeitern des Landratsamts erste Ergebnisse zu Erreichbarkeiten von Infrastrukturen im Landkreis (Teilprojekt 1 „Integrationspotenziale“, Thünen-Institut) vorgestellt werden. Diese stießen insbesondere deshalb auf Interesse, da im Landkreis aktuell ein umfassendes Mobilitätskonzept erarbeitet wird (https://www.kreis-nea.de/amt-verwaltung/veroeffentlichungen/aktuelles/news/2019/3/23/umfrage-zu-mobilitaet-im-landkreis.html).

++05.03.2019++ Erste Gespräche mit Geflüchteten in Hessen

Nachdem wir, das Team der Universität Hildesheim, bereits in den letzten zwei Februarwochen in den Untersuchungslandkreisen Waldeck-Frankenberg und dem Werra-Meißner-Kreis unterwegs waren. Fahren wir heute erneut nach Hessen und haben erste Gespräche mit geflüchteten Personen aus Sontra.

Zuvor haben wir am vergangenen Wochenende viele Eindrücke bei unserer Arbeit in Allendorf (Eder) und Bad Wildungen erhalten. Bisher haben wir rund zwölf Stunden Gesprächsmaterial gesammelt, welches uns das Leben geflüchteter Personen in ländlichen Regionen näher bringt.

++27.02.2019++ Unterwegs in Nordsachsen

In den letzten Tagen sind wir, das Team der TU Chemnitz, auch im Landkreis Nordsachsen unterwegs gewesen. Hier konnten wir schon, wie im Landkreis Bautzen, mit Expert*inneninterviews starten und haben bereits interessante Eindrücke in Strukturen und Arbeitsbereiche erhalten.

In Torgau und Laußig haben wir zivilgesellschaftliche Einrichtungen kennen gelernt, die sich mit den Themen Migration und Integration vor Ort beschäftigen und freuen uns über die Unterstützung und den weiteren Austausch. Eine bisherige Beobachtung ist, dass lokales Engagement und Initiativen durch nur wenige "Schlüsselakteur*innen" vor Ort getragen werden.

++13.02.2019++ Start der Untersuchungen in Hessen

Wir, die Forscher*innen der Universität Hildesheim, sind die ersten zwei Tage der Erhebungsphase im Landkreis Waldeck-Frankenberg unterwegs. In Willingen, Allendorf (Eder), Diemelstadt und Bad Wildungen konnten wir erste Gespräche und Interviews mit ehrenamtlichen Akteuren und geflüchteten Personen führen.

Wir freuen uns auf mehr!

++07.02.2019++ Start der empirischen Phase in Sachsen

Für das sächsische Team stand in den vergangenen Wochen die Auswahl der Kommunen im Mittelpunkt, in denen wir Interviews mit Geflüchteten und Expert*innen durchführen werden. Der Informationsbedarf war hoch, und so besuchten wir alle geplanten acht Kommunen in den Landkreisen Nordsachsen und Bautzen, führten einige Erstgespräche mit den Gemeindevorständen und verschafften uns einen ersten Eindruck von der Struktur der Gemeinden.

Unser Untersuchungsgebiet reicht von Sohland nahe der tschechischen Grenze bis Bad Düben in Nordsachsen - über 180 km, die gerade im Winter nicht immer so leicht zu bewältigen sind. So hatten wir bei unseren Anreisen mit dem ÖPNV schon die Möglichkeit, die Mobilitätsinfrastruktur der Region am eigenen Leib zu testen. Ergebnis: in Teilen ausbaufähig, manchmal überraschend komfortabel. Was gerade ausgebaut wird, sind die Breitbandanschlüsse – das ländliche Sachsen ist auf dem Weg zu „5G an jeder Milchkanne“ und wird damit einen entscheidenden Standortnachteil für Unternehmensansiedlungen und Freiberufler im ländlichen Raum abstellen können.

Bei schönstem sonnigen Winterwetter war das Team der TU Chemnitz Ende Januar noch einmal im Landkreis Bautzen unterwegs, um weitere Kontakte zu knüpfen und Interviews vorzubereiten. Dabei haben wir viele Engagierte – haupt- und ehrenamtlich – getroffen. So haben wir schon einen kleinen Eindruck in die vielen Aktivitäten im Landkreis Bautzen bekommen und werden uns im Laufe des Projektes bestimmt wieder begegnen. Wir freuen uns auf die ersten Interviews Mitte Februar!

++06.02.2019++ Erlanger Forscher führen Gespräche im winterlichen Bayerwald

Bevor die Gespräche mit Vertreter*innen aus Lokalpolitik und Verwaltung im Bayerwald-Landkreis Regen stattfinden konnten, mussten die Erlanger Forscher, hier Tobias Weidinger und Mahmoud Alokla, jeden Morgen zunächst den Kleinbus der Universität von Schnee und Eis befreien.

Während des einwöchigen Aufenthaltes im Januar empfingen die Bürgermeister der Gemeinden Bodenmais, Teisnach und Frauenau die Projektbearbeiter und boten einen Einblick in die Integrationsaktivitäten der Kommunen. In den Nachmittags- und Abendstunden besuchten die Forscher dann anerkannte Flüchtlinge in ihren Privatwohnungen.

In ausführlichen Gesprächen erzählten die Neu-Bayerwäldler über die Ankunft in Deutschland und das Alltagsleben in den Dörfern und Kleinstädten im Landkreis Regen. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließen die „Integrationsbemühungen“ eines Geflüchteten, den bairischen Dialekt zu lernen. Während der Unterhaltung warf er immer wieder eindeutig bairische Wörter ein und zeigte stolz sein Lernmaterial.