Die vier Projektteams vom Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig, der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg, der Universität Hildesheim und der Technischen Universität Chemnitz berichten in diesem Projekttagebuch von ihrer Forschung in ländlichen Regionen der vier Bundesländer Bayern, Hessen, Niedersachsen sowie Sachsen und geben hier Einblicke in ihre laufende Projektarbeit.

++15.05.2021++ Podcast-Folge zu (Flucht-)Migration in Ländlichen Räumen und Forschen auf dem Land

Aktuelle Folge des Podcasts MeltingPod – Migration im Dialog (© Tobias Weidinger)

Tobias Weidinger von der Universität Erlangen-Nürnberg war vor kurzem zu Gast im Podcast „MeltingPod – Migration im Dialog“. Der Podcast wird vom Nachwuchsnetzwerk des Interdisziplinären Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (InZentIM) an der Universität Duisburg-Essen organisiert und widmet sich der Verbreitung von Forschungsergebnissen und dem Wissenschafts-Praxis-Transfer im Bereich der interdisziplinären Migrationsforschung. In der aktuellen Folge berichtete der Nachwuchswissenschaftler von den verschiedenen Zuwanderungsprozessen in ländlichen Räumen und ging dabei besonders auf Geflüchtete ein. Er stellte Besonderheiten des Forschens auf dem Land heraus und ausgewählte Ergebnisse des Verbundforschungsprojekts Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Räumen vor.

Link: https://meltingpod.podigee.io/11-tobias-weidinger

++29.04.2021++ Geflüchtete gründen eigene Geschäfte und bereichern Angebote vor Ort

Vor allem in Kleinstädten etablierten sich teils eine beachtliche Zahl von Lebensmittelgeschäften und Frisörläden, die Geflüchteten eine wohnortnahe Versorgung mit spezifischen Lebensmitteln oder Dienstleistungen ermöglichen und gleichzeitig das Angebot für die Lokalbevölkerung sicherstellen und diversifizieren.

In einer Fallstudie in den zwei bayerischen Untersuchungslandkreisen wurde die Entstehung von Lebensmittelgeschäften, die von Migrant*innen geführt werden, untersucht und deren Funktion sowohl für die migrantische Community als auch darüber hinaus thematisiert. Ende 2019 wurden dazu Inhaber*innen sowie die Kund*innen von Geschäften befragt, die 2015 neu gegründet wurden. Für Geflüchtete selbst trug die Geschäftsgründung dazu bei, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen und Handlungsmacht (Agency) zu erlangen. Gleichzeitig war dies mit administrativen und finanziellen Herausforderungen verbunden. Die Befragung der Kund*innen zeigte, dass die Mehrzahl aus den Hauptherkunftsländern von Fluchtmigration stammten und eher jung waren. Viele Kund*innen kommen mehrmals pro Woche in den Laden und machen kleine Einkäufe, während Personen, die eine weitere Anreise und meist mit dem PKW anreisen, größere Ausgaben tätigen.

++21.01.2021++ Dissemination-Event: Sachsen im Fokus

Screenshot von der Online-Veranstaltung
Teilprojektleiterin Prof. Dr. Birgit Glorius bei der Präsentation (© Hanne Schneider)

Ein reger Austausch und vielfältige Diskussionen fanden zwischen den interessierten Teilnehmer*innen und dem Projektteam der TU Chemnitz während einer öffentlichen Präsentation der Projektergebnisse mit Bezug auf Sachsen am 21. Januar 2021 digital statt. Die Wissenschaftlerinnen der TU Chemnitz präsentierten folgende Arbeiten:

  • Halte- und Bleibeorientierungen der projektrelevanten Kommunen und der dort ansässigen Geflüchteten sowie etwaige Gründe für die jeweiligen Lokalpolitiken,
  • Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung „Zusammenleben in ländlichen Regionen“ sowie
  • erste Ergebnisse einer Analyse der durchgeführten Interviewreihe mit Expert*innen zum Begriff „Integration“. Anhand der herausgearbeiteten Integrationsnarrative diskutierten das TUC Team und Repräsentant*innen verschiedener politischer und zivilgesellschaftlicher Institutionen und Organisationen die verschiedenen Deutungsmuster des Begriffs.

Welche Potenziale ländliche Räume für neuzugezogene Personen bieten, aber auch mit welchen Hürden Geflüchtete, Migrant*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen konfrontiert sind, wurde lebhaft debattiert.

Herzlichen Dank allen Teilnehmer*innen.

++16.09.2020++ Integrationsarbeit auf dem Land: dezentral und digital

Das Thema Integration lebt von Begegnungen, direkter Kommunikation und persönlichen Beziehungen. Im Untersuchungslandkreis Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim (NEA) ist die halbjährlich stattfindende und vom Integrationsbeauftragten und den Integrationslotsinnen organisierte Integrationskonferenz eine etablierte Veranstaltung zum Austausch von Haupt- und Ehrenamtlichen.

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Masken- und Abstandspflicht wurde nun von Dr. Stefan Kordel und Herrn Tobias Weidinger gemeinsam mit Masterstudierenden deshalb ein hybrides Format mit physischen und digitalen Elementen entwickelt. Am 16.09.20 fand die erste physisch-digitale Integrationskonferenz an vier Standorten, der kleinen Gemeinde Burghaslach, den Kleinstädten Bad Windsheim und Uffenheim (alle drei auch Untersuchungskommunen im Rahmen des Verbundprojekts) sowie der Kreisstadt Neustadt gleichzeitig statt. Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen der Pandemie wurden als Chance begriffen, einen Austausch in einem Flächenlandkreis mit weiten Anfahrtswegen und lokalen Besonderheiten zu initiieren.

Nach einem Grußwort von Landrat Helmut Weiß und Berichten aus den Sachgebieten Soziales und Personenstands-/Ausländerwesen diskutierten in einem ersten Teil der „Tour de NEA“, freiwillig Engagierte, hauptamtliche Akteur*innen aus den verschiedensten Verwaltungsbereichen, Unternehmer*innen und weitere interessierte Bürger*innen über aktuelle Themen. Ein besonderer Schwerpunkt galt dabei den Chancen und Grenzen der Integrationsarbeit mithilfe von digitalen Methoden. Die Diskussion zeigte, dass digitale Kommunikation im Bereich Bildung/Spracherwerb intensiv genutzt wird, wohingegen persönliche Treffen zur Sprachpraxis (z. B. Frauencafés, die pandemiebedingt eingestellt werden mussten) unabdingbar sind.

Im zweiten Teil des Nachmittags boten zwei „digitale“ Marktstände Informationen zu den Themen Arbeitsmarkt und migrantische Vereine im Landkreis. Frau Anne Güller-Frey vom IQ-Netzwerk Bayern stellte die vielfältigen Beratungsangebote im Bereich Arbeitsmarktintegration für Unternehmen und Kommunen vor und warb dafür, die individuelle Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in Anspruch zu nehmen. Im Anschluss daran hatten einige Zusammenschlüsse und Vereine, die von Migrant*innen organisiert sind, die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen.

++14.07.2020++ Letzte Befragungen für die Analysen zur Integrationspolitik gestartet

Im Teilprojekt „Lokale Integrationspolitik und deren Unterstützung durch Land, Bund und EU“ hat die Auswertung der qualitativen Expert*inneninterviews zu politischer Steuerung, Verwaltungshandeln und Kooperationsstrukturen sowie eine Online-Umfrage zur Nutzung von finanziellen Fördermitteln begonnen.

Bisher konnten wir 151 lokale Expert*innen aus Politik, Verwaltung und von Dritten Akteur*innen interviewen. Die Interviews werden aktuell kodiert und befinden sich parallel in verschiedenen Auswertungsprozessen. Zudem arbeiten wir an einer Zusammenstellung von relevanten Dokumenten wie beispielsweise lokalen Integrationskonzepten oder Ratsprotokollen mit Bezug zu unseren Untersuchungskommunen. Diese Arbeit wird der Kontextualisierung der Ergebnisse dienen. Im März dieses Jahres erschien unser Working Paper „Lokale Migrationspolitik in ländlichen Räumen Deutschlands: Ausgangspunkte für empirische Forschung“ (PDF Download).

Die noch bis Mitte Juli 2020 laufende Online-Umfrage zur Nutzung von finanziellen Fördermitteln gehört zum dritten und letzten Arbeitspaket des Teams der Universität Hildesheim. Dafür wurde das Projektteam von Christiane Heimann (Migration Policy Research Group, Universität Hildesheim) ergänzt und unterstützt. Mit der Befragung richten wir uns an Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik der Untersuchungskommunen, die in ihrer Arbeit mit Migration und Integration zu tun haben. Es werden Modalitäten des Bezugs von Fördermitteln auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene abgefragt, um herauszufinden, welche Relevanz finanzielle Fördermittel in der Integrationsarbeit vor Ort haben, aber auch welche Hürden etwa bei der Akquise bestehen.

Wir freuen uns auf aufschlussreiche Ergebnisse, die uns eine vergleichende Betrachtung der Fördermittelsituation unserer Untersuchungsregionen ermöglichen.

++07.05.2020++ Wie viele Beratungsstellen für Migrant*innen gibt es in den Kommunen?


Das Teilprojekt „Integrationspotenziale ländlicher Räume in Deutschland“, verortet am Thünen-Institut für ländliche Räume, hat für die niedersächsischen Untersuchungslandkreise Northeim und Vechta eine Übersicht über professionelle integrationsspezifische Beratungsstellen für Migrant*innen, anerkannte Geflüchtete und Asylbewerber*innen erstellt. Dabei werden die Beratungsangebote in den fünf Untersuchungskommunen sowie den jeweiligen Mittelzentren (Landkreis Vechta: Lohne und Vechta; Landkreis Northeim: Einbeck und Northeim) dargestellt. Die Beratungsangebote werden sowohl durch staatliche Akteure, z. B. Kommunalverwaltungen als auch durch nichtstaatliche Akteure durchgeführt. Als sogenannte 3. Akteure werden beispielsweise Wohlfahrtsverbände, Vereine und Stiftungen zusammengefasst.

Die Karten zeigen, dass das Angebot an Beratungsstellen innerhalb der Landkreise stark variiert: In vielen kleinen Kommunen ist das Angebot sehr viel geringer als in den Kreis- und Mittelstädten. Sofern es keine mobile Beratung gibt, ist eine kreisweite Mobilität erforderlich, damit einige der Beratungsangebote von Migrant*innen genutzt werden können, die nicht in den Mittelzentren wohnen.

Des Weiteren zeigen die Karten, dass die Beratungsangebote oft gemeinsam von verschiedenen Ebenen (ko-)finanziert werden. Dies bedeutet ein komplexes Zusammenspiel von EU, Bund, Ländern, Landkreisen und Kommunen. Häufig ist hierfür auch der Einsatz eigener Mittel erforderlich, der nicht für alle Akteure in gleichem Maße realisierbar ist.

Im Vergleich der Landkreise fällt auf, dass es im Landkreis Northeim zwei Untersuchungskommunen gibt, die keine professionellen Beratungsangebote für Migrant*innen haben. Verantwortlich hierfür ist die unterschiedliche Organisation der lokalen Beratungsangebote zwischen den Landkreisen: Während der Landkreis Vechta auf eine dezentrale Betreuung der Geflüchteten in Verantwortung der Kommunen setzt, präferiert der Landkreis Northeim eine zentrale Betreuung, durch die Landkreisverwaltung. Diese organisiert auch die mobilen Beratungsteams, die die im Landkreis untergebrachten Geflüchteten kreisweit betreuen.

++09.03.2020++ Gemeinsames Empowerment und Vernetzung: Tagung von Migrant*innenorganisationen im Landkreis Bautzen

In ländlichen Regionen gibt es kaum Migrant*innenorganisationen? Weit gefehlt, zumindest im Landkreis Bautzen, wie das Chemnitzer Team aktiv miterleben konnte: Auf der Tagung „KOMMIT – Für Gerechtigkeit und starke Migrantenorganisationen im Landkreis Bautzen“ stellte das Team der TU Chemnitz erste Ergebnisse aus dem Verbundprojekt vor und konnte die Vielfalt der Migrant*innenorganisationen im Landkreis Bautzen bei Vorträgen, Workshops und Filmvorführungen miterleben: Neben Geflüchteten, die sich aktiv im Landkreis seit einigen Jahren einbringen, sind auch langjährig tätige Vereine im neu gegründeten Netzwerk der Migrant*innen aktiv.

Das Netzwerk setzt sich seit einem Jahr aus einer Vielzahl von Ehrenamtlichen und Initiativen zusammen und wird auch von sachsenweit aktiven Verbänden unterstützt, wie beispielsweise dem Dachverband der sächsischen Migrantenorganisationen (DSM). In dem gut gefüllten Ratssaal der Stadt Bautzen wurden am 9. März 2020 die Möglichkeiten zur Kooperation mit Verwaltung und Politik diskutiert aber auch gemeinsame Pläne für Neues geschmiedet. Ein Highlight der Veranstaltung waren selbstproduzierte Filme von Jugendlichen zum Thema „Empowerment“. Wir freuen uns, dass wir Teil der Veranstaltung sein durften.

++11.-13.02.2020++ Projektteam diskutiert erste Ergebnisse im sächsischen Kohren-Sahlis++

Mitte Februar traf sich das Projektteam "ZukunftGeflüchtete" zu einem intensiven Austausch über erste Ergebnisse aus den Teilprojekten, den Stand der Arbeiten sowie die geplanten Arbeiten in 2020. Gemeinsam wurden regionale Besonderheiten der Untersuchungslandkreise, spezifische Herausforderungen haupt- und ehrenamtlich Tätiger sowie erste mögliche Ableitungen aus den gewonnenen Erkenntnissen diskutiert. Die Heimvolkshochschule in Kohren-Sahlis ermöglichtete eine konstruktive und produktive Arbeitsatmosphäre für das Projektteam.

++05.12.2019++ ES TUT SICH WAS VOR ORT: AM BALL BLEIBEN UND DIE REGIONEN BESSER VERSTEHEN ++

Im Rahmen von Feldaufenthalten im November und Dezember konnten wir in den Landkreisen Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim und Regen Entwicklungen feststellen, die einerseits auf die Präsenz von Geflüchteten vor Ort zurückzuführen sind oder den Lebensalltag direkt betreffen.

So etablierten sich in den Kleinstädten Neustadt und Bad Windsheim eine beachtliche Zahl migrantischer Geschäfte wie Supermärkte oder Friseurgeschäfte (vgl. Foto), die eine Nahversorgung mit spezifischen Lebensmitteln oder Dienstleistungen ermöglichen und das Pendeln in Städte wie Nürnberg oder Würzburg obsolet machen. Der Einzugsbereich der Geschäfte aber auch die sozialen Funktionen, z. B. als Treffpunkte werden im Rahmen eines studentischen Projektseminars parallel untersucht.

Im Landkreis Regen wurde erneut für den Dauerbetrieb der Waldbahnstrecke zwischen Gotteszell und Viechtach demonstriert, die aktuell noch im Probebetrieb läuft (vgl. Foto). Die Zugverbindung, die den Bayerischen Wald mit dem Donautal und damit mit Arbeitsplätzen außerhalb des Landkreises verbindet, erreicht aktuell die Mindestfahrgastzahl (1.000 Reisende pro Kilometer Betriebslänge je Werktag) noch nicht. Die rege Nutzung durch Geflüchtete trägt einen Beitrag zur Auslastung bei. Dynamische politische Debatten vor Ort und auf Landesebene werden zeigen, ob ein Dauerbetrieb eingerichtet werden kann.

++18.11.2019++Herbstzeit ist Befragungszeit: Interviews zum Thema Zivilgesellschaft gestartet ++

Herbst in Kamenz
Unterwegs für Interviews in Kamenz (Landkreis Bautzen) (© Hanne Schneider)

Nicht nur in Kamenz (Landkreis Bautzen, siehe Foto) sind wir wieder für eine neue Serie von Interviews für unser Verbundprojekt unterwegs. Die vier Projektteams starten im Laufe des Herbstes in allen Bundesländern und befragen Expert*innen vor Ort zu ihrer Sicht auf die (Zivil-)Gesellschaft und die Integration von Geflüchteten in ihren Kommunen.

Die Zivilgesellschaft spielt natürlich eine entscheidende Rolle in der lokalen Integration, daher finden Gespräche mit Personen aus Vereinsstrukturen, Helfer*innenkreisen, Bildung, Verwaltung aber auch Wohlfahrtsverbänden und Kirchen statt, die uns nähere Einblicke geben können. Das Team der TU Chemnitz wertet im Anschluss die Daten aller Landkreise aus. Wir freuen uns auf viele spannende Gespräche, neue Sichtweisen auf die ländlichen Gemeinden und somit weitere Puzzleteile unserer umfangreichen Forschung zur Integration in ländlichen Regionen.

++11. und 12.09.2019++ Projekt ZukunftGeflüchtete – Intensiver Austausch mit Projektbeirat++

Gruppenbild der Projektbeiräte
1. Treffen mit den Projektbeiräten im September 2019 in Braunschweig (© Michael Welling)

Am 11. und 12. September 2019 fand das erste Treffen des Projektteams mit dem Projektbeirat statt. Dieser besteht aus 15 ausgewiesenen Expert*innen aus Wissenschaft und Integrationspraxis sowie Landes- und Bundeseinrichtungen und begleitet und berät das Projekt.

Beim Projekttreffen wurden die bisher durchgeführten Arbeiten aller Teilprojekte vorgestellt und die methodische Vorgehensweise, inhaltliche Ausrichtungen sowie weitere Schritte intensiv diskutiert. Inhaltlich standen die spezifischen Herausforderungen ländlicher Räume bei der Integration von Geflüchteten im Mittelpunkt. An beiden Tagen lieferten die Rückmeldungen, Einschätzungen und Erfahrungen der Projektbeiräte wichtige Impulse für die weitere Projekttätigkeit.

Das Projektteam bedankt sich herzlich für den intensiven, facettenreichen und konstruktiven Austausch!

++14.08.2019++ Integration und Teilhabe als Querschnittsthema ländlicher Entwicklung

Am 14. August 2019 besuchte das TUC Team das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz in Dresden. Eingeladen hatte der Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration, um erste Ergebnisse unserer Forschungen in den sächsischen Untersuchungsgebieten zu diskutieren.

Im Mittelpunkt unserer Präsentation stand das Konzept der Rezeptivität, also der Offenheit gegenüber neuen Mitbürger*innen, und wie diese herzustellen ist. In einer ersten Sichtung unserer Daten aus Expert*inneninterviews, Interviews mit Geflüchteten sowie unserer Repräsentativerhebung konnten wir markante Befunde in Bezug auf ländliche Gemeinden im Allgemeinen und den sächsischen Untersuchungskontext im Besonderen herausarbeiten und Interpretationsangebote zur Diskussion stellen. Im Anschluss an unseren Vortrag diskutierten die ca. 20 Anwesenden sehr intensiv und gaben uns zudem Anregungen für weitere Feinanalysen des Datenmaterials. So wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob auch Potenziale nachbarschaftlichen Engagements aufseiten der Geflüchteten zu beobachten sind. Zudem wurde angeregt, in den Auswertungen Zielgruppen von Geflüchteten zu identifizieren, für die jeweils spezifische Angebote der Teilhabe sinnvoll sind. Großen Anklang fand insbesondere die intensive Kontextualisierung der Projektergebnisse hinsichtlich der Spezifik ländlicher Räume. Von den weiteren Analysen erhofft man sich daher konkrete Erkenntnisse und Empfehlungen, wie sich Integration und Teilhabe mit anderen Themen ausbalancieren lassen, die für die Entwicklung ländlicher Räume nötig und wichtig sind.

++29.07.2019++ Vielfalt der kommunalen Integrations-angebote im Landkreis Vechta beeindruckt

Das Haus der Begegnung in Neuenkirchen-Vörden – ein Beispiel der vielfältigen kommunalen Integrationsangebote im Landkreis Vechta (© Diana Meschter)

Zwischen Mai und Juli 2019 wurden zahlreiche Interviews in den Untersuchungskommunen Dinklage, Holdorf, Goldenstedt, Neuenkirchen-Vörden und in der Landkreisverwaltung geführt. Befragt wurden Geflüchtete, Bürgermeister*innen, Integrationsbeauftragte, Flüchtlingssozialarbeiter*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Verwaltungsmitarbeitende, Mitarbeiter*innen von Mehrgenerationenhäusern, Vereinen sowie der Wohlfahrtsvereinen.

Besonders beeindruckend waren die Vielfalt der kommunalen Integrationsangebote und die vielen engagierten haupt- und ehrenamtlichen Personen, durch die auch in kleinen Kommunen die Integration vor Ort ein Gesicht bekommt. Das Foto zeigt ein Beispiel dieser vielfältigen Aktivitäten: "Das Haus der Begegnung" in Neuenkirchen-Vörden. Im Haus der Begegnung finden regelmäßig Deutschkurse statt, werden Aktivitäten wie Nähcafé, Fahrradwerkstatt oder Computerkurse angeboten oder ist Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen.

++ 15.07.2019 ++ Projektteam auf IMISCOE Konferenz in Malmö vertreten

Hanne Schneider, Miriam Bürer, Birgit Glorius, Tobias Weidinger, Hannes Schamann und Stefan Kordel während des Tagungsdinners in Malmö’s ehemaligem Schlachthof „Malmö Slagthuset“, der inzwischen als Veranstaltungszentrum genutzt wird. (© )

Mitglieder des Projektkonsortiums aus Chemnitz, Hildesheim und Erlangen-Nürnberg trafen sich vom 26. bis 28. Juni in Malmö anlässlich der jährlichen Konferenz des Europäischen Forschungsnetzwerks IMISCOE (International Migration, Integration and Social Cohesion in Europe). Die Jahreskonferenz ist eine der größten Konferenzen der Migrations- und Integrationsforschung in Europa und bietet beste Möglichkeit zur Vernetzung und fundierten Diskussion von Forschungsergebnissen.

Da die Konferenz dieses Jahr unter dem Schwerpunkt „Understanding International Migration in the 21st Century: Conceptual and Methodological Approaches“ stattfand, boten sich gute Möglichkeiten, die konzeptionellen und methodischen Ansätze des Verbundprojekts zu präsentieren.

Dies taten u. a. Hanne Schneider, Miriam Bürer und Birgit Glorius (TU Chemnitz) mit einem Vortrag zum Konzept der Rezeptivität als neuer Ansatz zum Verständnis der Integration von Geflüchteten in ländlichen Räumen und Tobias Weidinger, Stefan Kordel und Silke Hachmeister (FAU Erlangen-Nürnberg) mit einem Vortrag zu Mechanismen der Exklusion von Geflüchteten in ländlichen Räumen in Deutschland. Hannes Schamann und Sandra Müller (Uni Hildesheim) stellten gemeinsam mit Petra Bendel und Andrea Wegler (FAU Erlangen-Nürnberg) Projektergebnisse aus einem „benachbarten“ Forschungsprojekt vor, in dem institutioneller Wandel von lokaler Integrationspolitik in 100 Städten Deutschlands erforscht wird.

Eine Vielzahl von Fachsitzungen unter dem Label „Refugees in European Localities“ zeigten die wachsende Bedeutung der lokalen Forschungsperspektive als Ergebnis des „local turn“ in der Migrations- und Integrationsforschung. Dabei dominieren jedoch weiterhin urbane Forschungskontexte, so dass unser Projekt mit seinen Teilergebnisse stets auf große Aufmerksamkeit innerhalb der wissenschaftlichen Community stößt.

++21.06.2019 ++ Witajce k nam? Unterwegs in der kulturhistorischen Oberlausitz im Landkreis Bautzen

Das Team der TU Chemnitz führte in den vergangenen Wochen zahlreiche Interviews mit Geflüchteten im Landkreis Bautzen. In was für einer Gegend sind unsere Gesprächspartner*innen angekommen?

Als eine der wenigen Regionen in Deutschland, geht es in der Oberlausitz mehrsprachig zu: Sorbisch ist in vielen Gemeinden des Landkreises zweite Amtssprache, denn es leben insgesamt noch etwa 60.000 Sorb*innen im Landkreis Bautzen, Görlitz sowie in Brandenburg. Zahlreiche Vereine und Institute (z. B. das Sorbische Institut) pflegen den Erhalt der slawischen Sprache und sorbischen Kultur. Auch sonst gibt es in der Region viel Kulturelles zu entdecken: zahlreiche Wegkreuze als Zeichen des katholischen Glaubens oder auch die traditionellen Umgebindehäuser, die nur in wenigen Regionen Deutschlands und Tschechiens vorkommen. Oder aber die Kreisstadt Bautzen mit ihren zahlreichen deutsch-sorbischen Kultureinrichtungen und der mittelalterlichen Altstadt.

Ob dies auch Einfluss auf das Leben der Geflüchteten hat, wird die Auswertung der Interviews zeigen. Sicherlich begegnen aber auch ihnen im Alltag zahlreiche Hinweise auf die Besonderheiten der Region: etwa beim Jobcenter, das auch „Jobowy center“ [Sorbisch] heißt (siehe Bilder).

++22.05.2019++ Befragungen im Landkreis Vechta gestartet

Wir haben mit der Erhebungsphase im Landkreis Vechta begonnen. Der Landkreis Vechta ist der zweite Untersuchungslandkreis in Niedersachsen. Auch hier wollen wir mit Haupt- und Ehrenamtlichen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft sowie mit Geflüchtete ins Gespräch kommen. Konkret besuchen wir Dinklage, Goldenstedt, Holdorf und Neuenkirchen-Vörden.

Wir freuen uns auf interessante Gespräche und Begegnungen.

++02.05.2019++ Viele Briefe, viele Meinungen: Bürger*innenbefragung beendet

Kiste mit Befragungspost
Die ausgefüllten Fragebögen füllen mehrere Kisten. (© Birgit Glorius)

Die Bürger*innenbefragung zum Zusammenleben in ländlichen Regionen ist seit Ende April 2018 beendet. Das Team der TU Chemnitz freut sich über die mehreren hundert Rücksendungen – postalisch und auch in der Online-Befragung. Die Kisten sind gut gefüllt und warten nun darauf, von unserem Team sortiert, gesichtet, digitalisiert und ausgewertet zu werden. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

Herzlichen Dank an alle Befragten, die sich die Zeit genommen haben, unseren Fragebogen auszufüllen und ihre Eindrücke mit uns teilen.

++10.04.2019++ Bürger*innenbefragung im vollen Gange

Diese Erinnerungspostkarte wird an die befragten Haushalte versendet. (© TU Chemnitz (Bild: Jana Beinhorn; Grafik: Melanie Kintz))

Unsere Bürger*innenbefragung in acht Landkreisen läuft nun seit rund zwei Wochen. Um noch viele weitere Zusendungen von ausgefüllten Fragebögen zu erhalten, hat das Team der TU Chemnitz eine Erinnerungspostkarte an alle Befragten gesendet. Wir freuen uns auf viele weitere Briefe, bedanken uns für bisherige Einsendungen und sind gespannt auf die Ergebnisse.

++25.03.2019++ Bürger*innenbefragung startet in allen acht Landkreisen

Diese Briefe erhalten alle zufällig ausgewählten Bürger*innen. (© Hanne Schneider)

Es ist soweit: In dieser Woche erhalten 4000 zufällig ausgewählte Personen in 40 Gemeinden in unseren acht Untersuchungslandkreisen Post. Der Fragebogen thematisiert das gesellschaftliche Zusammenleben, unter anderem mit Geflüchteten aber auch in der Nachbarschaft. Das Team der TU Chemnitz wartet gespannt auf die Rückläufe der ausgefüllten Bögen, um diese Forschungslücke zu schließen. Die Befragten können entweder postalisch antworten oder eine Online-Umfrage nutzen.

++21.03.2019++ Viele Angebote zum Austausch im Landkreis Northeim

Das Internationale Café in Bad Gandersheim und das Café Dialog in Moringen sind zwei Beispiele, wo man mit Geflüchteten und haupt- und ehrenamtlich Engagierten im Landkreis Northeim in netter Atmosphäre und bei einer Tasse Kaffee oder Tee ins Gespräch kommen kann. Für das Projektteam des Thünen-Instituts sind diese Orte wichtige Anlaufpunkte, um erste Informationen für das Forschungsprojekt zu erfahren und potenzielle Interviewpartner zu kontaktieren.

Wir bedanken uns auf diesem Wege für die erfahrene Gastfreundschaft.

++07.03.2019++ Gespräche mit Expert*innen im Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim

Für eine weitere Interviewrunde mit Expert*innen besuchten die Erlanger Forscher den Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim. Dr. Stefan Kordel und Tobias Weidinger konnten erneut mit zahlreichen Lokalpolitiker*innen sowie Verwaltungs- und Gestaltungsmitarbeiter*innen über die Aufnahme und Integration von Geflüchteten im Landkreis sprechen. Besonders interessant waren vielfältige Einblicke in die Praxis einer nachhaltigen Integration in den regionalen Arbeitsmarkt, die angesichts des boomenden Arbeitsmarktes in der Region von zahlreichen Akteur*innen als wichtiges Handlungsfeld bewertet wird.

Daneben konnten im Rahmen eines Treffens mit Mitarbeitern des Landratsamts erste Ergebnisse zu Erreichbarkeiten von Infrastrukturen im Landkreis (Teilprojekt 1 „Integrationspotenziale“, Thünen-Institut) vorgestellt werden. Diese stießen insbesondere deshalb auf Interesse, da im Landkreis aktuell ein umfassendes Mobilitätskonzept erarbeitet wird (https://www.kreis-nea.de/amt-verwaltung/veroeffentlichungen/aktuelles/news/2019/3/23/umfrage-zu-mobilitaet-im-landkreis.html).

++05.03.2019++ Erste Gespräche mit Geflüchteten in Hessen

Nachdem wir, das Team der Universität Hildesheim, bereits in den letzten zwei Februarwochen in den Untersuchungslandkreisen Waldeck-Frankenberg und dem Werra-Meißner-Kreis unterwegs waren. Fahren wir heute erneut nach Hessen und haben erste Gespräche mit geflüchteten Personen aus Sontra.

Zuvor haben wir am vergangenen Wochenende viele Eindrücke bei unserer Arbeit in Allendorf (Eder) und Bad Wildungen erhalten. Bisher haben wir rund zwölf Stunden Gesprächsmaterial gesammelt, welches uns das Leben geflüchteter Personen in ländlichen Regionen näher bringt.

++27.02.2019++ Unterwegs in Nordsachsen

In den letzten Tagen sind wir, das Team der TU Chemnitz, auch im Landkreis Nordsachsen unterwegs gewesen. Hier konnten wir schon, wie im Landkreis Bautzen, mit Expert*inneninterviews starten und haben bereits interessante Eindrücke in Strukturen und Arbeitsbereiche erhalten.

In Torgau und Laußig haben wir zivilgesellschaftliche Einrichtungen kennen gelernt, die sich mit den Themen Migration und Integration vor Ort beschäftigen und freuen uns über die Unterstützung und den weiteren Austausch. Eine bisherige Beobachtung ist, dass lokales Engagement und Initiativen durch nur wenige "Schlüsselakteur*innen" vor Ort getragen werden.

++13.02.2019++ Start der Untersuchungen in Hessen

Wir, die Forscher*innen der Universität Hildesheim, sind die ersten zwei Tage der Erhebungsphase im Landkreis Waldeck-Frankenberg unterwegs. In Willingen, Allendorf (Eder), Diemelstadt und Bad Wildungen konnten wir erste Gespräche und Interviews mit ehrenamtlichen Akteuren und geflüchteten Personen führen.

Wir freuen uns auf mehr!

++07.02.2019++ Start der empirischen Phase in Sachsen

Für das sächsische Team stand in den vergangenen Wochen die Auswahl der Kommunen im Mittelpunkt, in denen wir Interviews mit Geflüchteten und Expert*innen durchführen werden. Der Informationsbedarf war hoch, und so besuchten wir alle geplanten acht Kommunen in den Landkreisen Nordsachsen und Bautzen, führten einige Erstgespräche mit den Gemeindevorständen und verschafften uns einen ersten Eindruck von der Struktur der Gemeinden.

Unser Untersuchungsgebiet reicht von Sohland nahe der tschechischen Grenze bis Bad Düben in Nordsachsen - über 180 km, die gerade im Winter nicht immer so leicht zu bewältigen sind. So hatten wir bei unseren Anreisen mit dem ÖPNV schon die Möglichkeit, die Mobilitätsinfrastruktur der Region am eigenen Leib zu testen. Ergebnis: in Teilen ausbaufähig, manchmal überraschend komfortabel. Was gerade ausgebaut wird, sind die Breitbandanschlüsse – das ländliche Sachsen ist auf dem Weg zu „5G an jeder Milchkanne“ und wird damit einen entscheidenden Standortnachteil für Unternehmensansiedlungen und Freiberufler im ländlichen Raum abstellen können.

Bei schönstem sonnigen Winterwetter war das Team der TU Chemnitz Ende Januar noch einmal im Landkreis Bautzen unterwegs, um weitere Kontakte zu knüpfen und Interviews vorzubereiten. Dabei haben wir viele Engagierte – haupt- und ehrenamtlich – getroffen. So haben wir schon einen kleinen Eindruck in die vielen Aktivitäten im Landkreis Bautzen bekommen und werden uns im Laufe des Projektes bestimmt wieder begegnen. Wir freuen uns auf die ersten Interviews Mitte Februar!

++06.02.2019++ Erlanger Forscher führen Gespräche im winterlichen Bayerwald

Bevor die Gespräche mit Vertreter*innen aus Lokalpolitik und Verwaltung im Bayerwald-Landkreis Regen stattfinden konnten, mussten die Erlanger Forscher, hier Tobias Weidinger und Mahmoud Alokla, jeden Morgen zunächst den Kleinbus der Universität von Schnee und Eis befreien.

Während des einwöchigen Aufenthaltes im Januar empfingen die Bürgermeister der Gemeinden Bodenmais, Teisnach und Frauenau die Projektbearbeiter und boten einen Einblick in die Integrationsaktivitäten der Kommunen. In den Nachmittags- und Abendstunden besuchten die Forscher dann anerkannte Flüchtlinge in ihren Privatwohnungen.

In ausführlichen Gesprächen erzählten die Neu-Bayerwäldler über die Ankunft in Deutschland und das Alltagsleben in den Dörfern und Kleinstädten im Landkreis Regen. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließen die „Integrationsbemühungen“ eines Geflüchteten, den bairischen Dialekt zu lernen. Während der Unterhaltung warf er immer wieder eindeutig bairische Wörter ein und zeigte stolz sein Lernmaterial.