Dimension - Rolle der Zivilgesellschaft

Ziel ist es, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in ländlichen Räumen für die Integration von Geflüchteten zu untersuchen. Hierfür werden zivilgesellschaftliches Engagement, die Einstellungen der Aufnahmegesellschaft und ihr Einfluss auf Integrationsprozesse untersucht.

Im Mittelpunkt steht das Spannungsfeld zwischen zivilgesellschaftlichen Reaktionen auf die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger auf der einen Seite und den lokalen Strategien der Schlüsselakteurinnen und -akteure auf der anderen Seite, durch die zivilgesellschaftliches Engagement gefördert und ausländerfeindliche Reaktionen verhindert werden können.

Aktueller Stand (Juni 2020)

Konzeptionelle Arbeit

Unsere Vorüberlegungen zu den Aspekten, die ablehnende oder zugewandte Einstellungen erklären könnten, berücksichtigen vorwiegend Theoriebestandteile aus der Sozialpsychologie. Wichtige Begriffe sind Toleranz, Rezeptivität und Kontakt. Nach einer ersten Veröffentlichung der theoretischen Grundlagen (Thünen Working Paper Nr. 120) arbeiten wir derzeit auf der Basis unserer empirischen Daten an weiteren Fachaufsätzen. Im Projektzusammenhang kristallisiert sich eine Gegenüberstellung der Perspektiven Geflüchteter auf die Ankunftsgesellschaft und vice versa sowie konkrete Praktiken der (Nicht)Begegnung als erkenntnisreiche Auswertungskomponenten heraus. Ein wichtiger konzeptioneller Rahmen ist dabei der Begriff des Wohlbefindens (wellbeing) und die Bedeutung von sozialen Interaktionen für das individuelle Wohlbefinden. Dies wird ein Schwerpunkt für die abschließenden Auswertungen sein.

Empirische Arbeiten

Unsere Repräsentativerhebung in 40 ländlichen Kommunen erzielte einen sehr guten Rücklauf. Dabei wurde stichprobenhaft die Bevölkerung in den vier Projektkommunen plus eine weitere sehr ländliche Gemeinde in jedem Landkreis befragt. Nach einer ersten deskriptiven Auswertung konzentrieren wir uns nun auf vertiefende Auswertungen. Besonders im Fokus stehen hierbei die Annahmen zu den spezifisch ländlichen Faktoren, wie beispielsweise die Rolle der nachbarschaftlichen Beziehungen sowie Auswertungen in Bezug auf die Kommunengröße und die wahrgenommenen Strukturbedingungen für die Integration von Geflüchteten.

Auch die qualitative Datenerhebung, die eine Serie von Interviews mit verschiedenen Akteur*innen der Zivilgesellschaft umfasste, ist im Wesentlichen abgeschlossen. Derzeit werden die Daten für die Auswertung aufbereitet. Besonders interessant erscheinen nach einer ersten Durchsicht:

  • die verschiedenen Perspektiven auf „Integration“ und das „gesellschaftliche Klima“ vor Ort,
  • Erfahrungen der lokalen Bevölkerung und den relevanten Akteur*innen mit Geflüchteten oder anderen Zugewanderten sowie
  • die Migrationsgeschichte in den Erhebungsorten.

Für die Analyse lokaler Diskurse wird derzeit ein Materialkorpus zusammengestellt. Hierzu werden in jeder Untersuchungsregion zwei Lokalzeitungen nach Schlüsselbegriffen durchsucht sowie eine strukturierte Sammlung von relevanten Diskurskomponenten vorgenommen, z. B. Bilder/Fotos, Flyer/Handzettel/Aushänge sowie Amtsblätter oder Mitteilungen der Verwaltung in den Untersuchungsgemeinden. Ziel ist es zu erklären, wie die lokalen Diskurse entstehen und sich ausdifferenzieren und wie sie auf die Entwicklung zivilgesellschaftlichen Engagements in Bezug auf die Integration von Geflüchteten in ländlichen Gemeinden wirken.

Ausblick

In den folgenden Monaten liegt unsere Konzentration auf der Datenauswertung und der Verschränkung unserer Ergebnisse mit den anderen Teilprojekten. Potenziale zeigen sich vor allem hinsichtlich der Perspektivenspiegelung von Geflüchteten und lokalen Bevölkerung, der Analyse von Perspektiven auf „Integration“ und daraus abgeleitete Handlungsorientierungen und Praktiken, sowie der Bedeutung von „Nachbarschaft“ und „Kontakt“ für die Integration von Zugewanderten.